Unruhe

unruhe

Weiße Leinwand, starrt mich an, ich sie. „Was willst du?“ fragen wir uns beide. Ich weiß es nicht, noch nicht. Sie wohl auch nicht. Noch nicht. Gehe auf und ab. Sie regungslos, eingeklemmt auf der Staffelei. Soll ich lieber spazieren gehen, die Sonne scheint. Nein. Wir bleiben. Wir hören auf zu fragen und versuchen zu hören, was uns das Dritte sagen will. Die Inspiration. Noch höre ich nichts. Draussen Kindergeschrei, ein Bollerwagen klappert über’s Pflaster. Ist es vielleicht das, was ich hören soll? Ein Motiv? Wofür? Ich finde nichts. Bin genauso leer wie meine Partnerin, die weiße Leinwand, die noch immer schweigt und regungslos herumsteht. Setze mich vor sie hin und wir starren uns beide an. Ich werde sie mal berühren, vielleicht führt sie meine Hand in eine Richtung, oder mehrere, gibt mir Zeichen. Denke darüber nach, daß die Menschen, die das lesen, denken, warum fängt er nicht einfach an. Oder malt irgendwas ab. Ein Stillleben oder so. Ich denke, ja, es ist nicht so einfach, anzufangen. Manchmal schon. Dann leg ich einfach los. Und male, weil ich nicht dabei denke. Und mein Gegenüber, die weiße Leinwand, wird immer lebendiger, wacht aus der Starre auf und verwandelt sich in neue Dimensionen, die ich noch nicht kannte. Dann sind wir eins, ruckzuck. Und das Dritte, die Inspiration, ist zufrieden. Vielleicht nicht ganz. Dann muss ich eben wieder weiter. Von vorne. Oder anknüpfen. Ich werde es jetzt mit dir versuchen, weißes Eckiges.
Photo © Juergen Kadow